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Von Beethoven, Uematsu und anderen Klassikern – Gedanken zur Klassischen Musik

Die Musik unserer Lieblingsvideospiele beinhaltet meist Melodien für die Ewigkeit, die uns immer wieder begeistern und in ihren Bann ziehen. Aus einer Diskussion mit meinem guten Freund Johannes Munzinger entstand der folgende sehr provokante und kritische Beitrag zum Thema Musik in Filmen und Videospielen  als für ihn “wahre Form moderner Klassik”. Ich hoffe das dieser Artikel nicht nur eingefleischte Videospielfans, sondern auch Musikkenner auf eine Diskussion einlädt und ich freue mich das Johannes ihn für uns geschrieben hat. Nina Schild

Der Begriff „Klassische Musik“ ist ein wenig irreführend, beinhaltet er doch nicht nur die eigentliche Epoche der (Wiener) Klassik, sondern darüber hinaus auch die Musik des Mittelalters, der Renaissance, des Barocks, der Romantik und, worauf ich eigentlich hinaus will, die so genannte „Neue Musik“, die Klassische Musik der Moderne.

Mit dem, was Otto Normalhörer auf Anhieb mit dem Begriff verbindet, nämlich Musik à la Beethoven, Mozart, Bach und wie die alten Meister auch heißen mögen, hat diese allerdings wenig zu tun, wenn man mit den Maßstäben Melodie, Harmonie und Aufbau misst. Vielmehr ist sie ein Sammelsurium verschiedener in die Praxis umgesetzter Musiktheorien. Da haben wir die Atonale Musik (ein Terminus, der für meine Begriffe oxymoronischen Charakter hat), die Dodekaphonie, in der jeder Ton gleichberechtigt dasteht und die alten Harmonie- und Melodieregeln außer Kraft gesetzt werden, die Minimal Music, die Aleatorik (eine Musik des geregelten Zufalls – ein ebenfalls etwas dubioses Konzept, für meinen Musikgeschmack) und unzählige weitere, von komplizierten, detaillierten und für Laien zumeist völlig undurchschaubaren Theoriefundamenten getragene Schulen und Stilrichtungen. Zwei Dinge haben sie allerdings alle gemeinsam: Beim Zuhören stellt sich bei mir kein Gefühl des Genusses, sondern nur ein beständiges und penetrantes Pochen derer Hirnregionen ein, die für Unverständnis und Missvergnügen zuständig sind, und: Beschränkt wie ich ihn Hinsicht auf die mathematischen und ideologischen Hintergründe dieser Musik bin, beschleicht mich immer das seltsame Gefühl, dass diejenigen, die sich besonders darin hervortun, diese, man entschuldige den polemischen Ausdruck, Kakophonien über den grünen Klee zu loben und sich auch noch freiwillig die bestimmt nicht gerade geschenkten Karten für Konzerte dieser Sorte sichern, es vor allem deshalb tun, weil sie sich vom Janhagel abheben wollen. Nicht nur von den, in ihren Augen, beschränkten Geister, für die Musik nur ein Genussmittel darstellt und die sich nicht einmal zu schade sind, Popmusik zu hören, sondern auch von den etwas kultivierteren Durchschnittsklassizisten, die zumeist überholte Komponisten wie Schumann oder Haydn in hohen Ehren halten.

Es scheint mir ein ähnlicher Zustand zu sein, wie er auch in der gestaltenden Kunst vielerorts vorzuherrschen scheint. Die „alten Meister“ werden als gegeben hingenommen, aber ernst nimmt man sie lange nicht mehr. Reaktionär, rückständig, von der Aussicht auf hohe Bezahlung durch Kirchenfürsten korrumpiert. Der goldene Schnitt? Profan! Kunst, die durch raffinierteste Technik und Fingerfertigkeit die Natur nachzubilden und nach eigenem Gutdünken auszuschmücken und zu interpretieren sucht? Belanglos!

Es ist wohl ein Auswuchs des Zeitgeists und ein Spiegelbild der seelischen Verfassung der Welt, dass Schönheit und Ansehnlichkeit in der bildenden Kunst höchstens noch eine untergeordnete Rolle spielen, und dass in der Musik, ganz nach demokratischem Vorbild, das banale Geräusch mit den gewissermaßen aristokratischen Tönen gleichgesetzt wird.

Man mag mich nun zurückgeblieben nennen, aber für mich ist Musik, die aus grauen Theorien geboren wird und auch nach ihrem Entstehen nichts an Farbe und positiver Ausdruckskraft (denn negative Ausdrücke fallen mir zur Genüge ein…) dazu gewinnt, keine Klassik. Ich halte es regelrecht für unfair den Genies vergangener Tage gegenüber, sie auf diese Weise mit der Moderne in Verbindung zu bringen.

Aber was ist Klassik dann? Für mich liegt die Sache recht klar: Klassiker sind etwas zeitlos Gutes. Sie haben jedenfalls überhaupt nichts mit der Einteilung in „E-“ und „U-Musik“ zu tun. Einer Musik, die sich von vornherein als „ernst“ und „rein künstlerisch“ betrachtet, fehlt die Seele, das Flair, die Leidenschaft. Oder will irgend jemand behaupten, dass Mozarts Entführung aus dem Serail oder die Zauberflöte todernst sind?
Das englische Idiom „classic(al)“, wie es oft auch für Rockmusik aus den 60ern und 70ern angewandt wird, trifft zwar irgendwie schon den richtigen Ton in der Hinsicht, dass auch es etwas beschreibt, das noch Jahrzehnte nach seinem Erscheinen gerne und oft gehört wird, aber es ist eben keine Klassik per se. Es fällt schwer, den Unterschied zu beschreiben. Man kann ihn wahrscheinlich (eigentlich naheliegend) nur hören. Liegt es am Orchester? Am Verzicht auf – oder zumindest nur spärlichen Einsatz von – modernen, elektronischen Instrumenten? Vielleicht…
Hauptsächlich mache ich es jedoch an einem Kriterium fest: Die Melodie muss ganz klar im Vordergrund stehen, nicht der Rhythmus. Man kann es vielleicht so ausdrücken: Von einigen, ausschließlich für diesen Zweck geschriebenen Werken abgesehen, lässt sich zu Klassik meistens nicht gut tanzen. Der Rhythmus, der rote Faden des Tanzens, wird von der Melodie zu sehr zurückgedrängt. Sie ist es auch, die Stimmungen und Emotionen vermittelt, anstatt uns durch Bewegung auszudrücken, bringt sie uns dazu, in uns hineinzugehen und unsere eigenen passenden Bilder zu finden oder zu kreieren.

Davon abgesehen, auch wenn es seltsam klingen mag: Klassische Musik muss man sich gut als Aufführung in einem Opern- oder alten Konzertsaal vorstellen können.

Wo aber findet man solche Musik dieser Tage noch? Die Antwort mag viele verblüffen: In Filmen und, Obacht!, Videospielen.

Alle Voraussetzungen sind erfüllt: Die meisten Leute unter 50 oder sogar 60 können die berühmtesten Stücke aus Star Wars, Indiana Jones und vielen Sergio Leone – Filmen ebenso gut (oder sogar besser) nachpfeifen, wie Mozarts Kleine Nachtmusik, den Beginn von Bachs Toccata und Fuge in D-Moll oder Beethovens Mondscheinsonate, und es wird sich kaum jemand unter 30 finden, dem die Melodien aus Tetris, Super Mario Bro‘s oder Zelda nicht in Mark und Bein übergegangen sind.
Sie bleiben also zweifelsfrei im Ohr, auch nach Jahrzehnten. Doch schlagen sie sich auch, wenn man sie in einen „klassischen“ Rahmen steckt? Und ob!

Die epochalen, fast wagnerischen Orchesterwerke, die Howard Shore für den Herrn der Ringe komponiert hat, waren erst neulich der wichtigste Bestandteil einer nicht nur in höchstem Maße interessanten, sondern auch erfolgreichen Veranstaltungsreihe in Münchens größtem Theater: Herr der Ringe auf großer Leinwand, vom Band kam allerdings nur der gesprochene Text. Die Musik lieferte ein Orchester. Vermutlich etwas, dass auch dem Opernpublikum zu Zeiten des Königs des Bombasts, Richard Wagner, Anklang gefunden hätte, zumal Tolkiens „Libretto“ dem vieler klassischer Opern und auch der meisten Operetten und Musicals haushoch überlegen ist. Aber selbst ohne den Film sind Shores Kompositionen in der Lage, große Konzerthallen – und damit meine ich jene, in denen sonst Krystian Zimermann Rachmaninow zelebriert und die Berliner Philharmoniker einen mit der Pastorale ins Schwärmen bringen – mühelos bis auf den letzten Sitz zu füllen. Genau wie Hans Zimmer, Ennio Morricone und Konsorten.

Und was in Deutschland noch eher ein peripheres Phänomen ist, ist in Japan und anderen Ländern schon ein fixer Bestandteil der Konzertkultur: Videogames in Concert.
Es dürfte für viele alteingesessene Klassik-Aficionados vielleicht lächerlich klingen, aber es gibt kaum einen schöneren Anblick, als zu sehen, wie eine Heerschar vermeintlicher „Nerds“ sich an der orchestralen Umsetzung des Zelda-Themas berauscht und teilhat an der majestätischen russischen Seele, wenn er hört, wie das Cembalo die Melodie von Tetris anstimmt. Kindheitserinnerungen, durch die Musik wieder zum Leben erweckt.

Uematsu Nobuo, vielleicht der bekannteste Vertreter der Zunft der Videospielkomponisten, versetzt mit seinen großartigen Kompositionen tausende von Menschen in musikalische Verzückung. Dabei muss es sich nicht einmal um alteingesessene Squaresoft-Jünger handeln. Ich kann mir hervorragend vorstellen, wie To Zanarkand selbst den verbohrtesten Verdianer zu Tränen rührt. Es ist für mich kein Wunder, dass die neueren Werke von Square-Enix den Älteren in puncto Atmosphäre nicht einmal annähernd das Wasser reichen können – Ueamatsu komponiert nicht mehr für die Spieleschmiede. Er war ein eben so wichtiger Teil dieser spielbaren Gesamtkunstwerke, wie Grafik und Handlung.

Der große Unterschied zwischen diesen modernen, zu Unrecht nicht anerkannten Klassizisten und denen früherer Epochen besteht wohl darin, dass man die Musik meistens fest mit bestimmten Bildern assoziiert. Man muss sich ein wenig anstrengen, will man sie sich zu anderen Szenerien und in anderen Zusammenhängen vorstellen. Aber wir wollen es einmal versuchen: Der Ritt der Wallküren ist wohl eines der bekanntesten Stücke der Welt, man assoziiert damit a) Dickliche, hornbehelmte Kriegerinnen auf fliegenden Pferde und b) Hellikopter über Vietnam (Apocalypse Now). Aber gerade im Herrn der Ringe findet sich einiges, was man sich zu beiden Bildern recht gut vorstellen könnte, genau so gut wie auch Carl Orff die Szenen, in denen der Balrog die Gefährten durch die Mienen von Moria hetzt, musikalisch unterlegt haben könnte.
Könnte nicht auch Tamino, Held der Zauberflöte, zur Zeldamelodie den Kampf gegen die Königin der Nacht und ihre Schergen aufnehmen können? Gewagt, natürlich. Aber, zumindest für mich, unter gewissen Umständen nicht völlig unvorstellbar.
Jo Yeong-Wook, Hofkapellmeister des Regiefürsten Park Chan-Wook, hat zu Lady Vengeance Musik beigesteuert, die, in den umfangreichen Kanon von Vivaldi geschmuggelt, nur für absolute Kenner als nicht originalbarock erkannt werden würde.

Vielleicht ist es wirklich Zeit für eine Oper, die sich aus verschiedensten Werken aus Film-und Videospielmusik zusammensetzt. Es sind schon seltsamere Sachen in die Theater und Opernhäuser gekommen.

Es funktioniert also, sogar ganz wunderbar. Weil diese Musik eben nicht „E“ ist! Weil sie nicht von der Realität, in der die meisten nun einmal Musik hören wollen, die sie auf anderen Ebenen als bloß der intellektuellen erreicht, abgekapselt ist.  Film- und Videospielkomponisten werden dafür bezahlt, Musik zu machen, die Emotionen und Stimmungen transportiert und den Leuten gefällt! Sie muss die Leute ansprechen, und zwar möglichst viele. Sie können es sich nicht leisten, für eine auserlesene und weniger an Wohlklang, sondern an Musiktheorie interessierte Klientel zu komponieren, subventioniert und letztendlich nicht vom Urteil der Menge abhängig.
Und nichts anderes war doch auch die Aufgabe derer, die wir heute Klassiker nennen. Keiner der Altmeister komponierte absichtlich Musik, die möglichst wenig Leute erreicht und berührt. Immerhin hing davon ihr Erfolg und ihr Einkommen ab. Trotzdem haben sie den Spagat zwischen Populismus und wahrer Genialität – der Gabe, aus sich selbst heraus etwas Wunderschönes zu erschaffen – bewältigt. Komplex, kunstvoll und trotzdem für jedermann zugänglich.

Nichts anderes gelingt auch ihnen, den großen Komponisten der Medien Kino und Videospiel, die von so vielen angesehenen Musikkennern oft bestenfalls stiefmütterlichen behandelt werden. Und deshalb bin ich auch zuversichtlich, dass man noch in 20, 30 oder sogar 100 Jahren die Melodien von Zelda, Final Fantasy, Zwei glorreiche Halunken, Herr der Ringe, Indiana Jones und wie sie alle heißen, pfeifen und summen wird. Nach all denen, die sich heute „Moderne Klassische Komponisten“ schimpfen und nur zu gerne schimpfen lassen, wird dann vermutlich kein noch so avantgardistischer Hahn mehr krähen.
Zu hoffen ist es jedenfalls…

Johannes Munzinger (19 Jahre, Student der LMU München)

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Von Beethoven, Uematsu und anderen Klassikern – Gedanken zur Klassischen Musik
Die Musik unserer Lieblingsvideospiele beinhaltet meist Melodien für die Ewigkeit, die uns immer wieder begeistern und in ihren Bann ziehen. Aus einer Diskussion mit meinem guten Freund Johannes Munzinger entstand der folgende sehr provokante und kritische Beitrag zum Thema Musik in Filmen und Videospielen ....

4 Kommentare

  • Die wahre Form des postmodernen Klassizismus ;)

    Was mich stört, ist ein fast reaktionärer Kunstbegriff, der mit solchen Kategorien wie Schönheit und Gefälligkeit operiert. Ich bin gewiss kein Musikexperte – aber mir ist durchaus bewusst, dass die Neue Musik eines John Cage maßgeblich zu dem Konzept beigetragen hat, was heute als moderne Kunst bezeichnet wird. Dass solche Kompositionen nicht immer flott ins Ohr gehen und teilweise – vielleicht sogar bewusst – kakophonisch sind und eben nicht gefallen wollen, ist doch eher zweitrangig. Viel wichtiger ist doch die historische Bedeutung dieser Werke, die in ihrer Funktion avantgardistisch sind, sprich: sie sind an der Speerspitze, sie brechen alte Krusten auf, werfen über den Haufen, sind radikal anders, und haben im Laufe der Geschichte betrachtet, eine Kraft entwickelt, den Weg moderner Kunst zu bereiten und mit zu gestalten (Nur am Rande: war Mozart, das Wunderkind, nicht ebenfalls ein solch radikaler Avantgardist und ist heute ein Klassiker?). Meiner Meinung nach, muss Kunst – und da schließe ich die Musik ein – insbesondere im 20. Jahrhundert schon lange nicht mehr gefallen!

    Gut ist, dass Du Dir dessen bewusst bist, wenn Du schreibst: “Man mag mich nun zurückgeblieben nennen [...]“. Das will ich keinesfalls – “der Vergangenheit positiv zugewandt” trifft es da vielleicht eher. Ich jedenfalls bin der Meinung, dass es ohne die großen Avantgarden des 20. Jhdts. , keine Erweiterung des Kunstbegriffs gegeben hätte – wir hätten dementsprechend immer noch den röhrenden Hirschen im Schlafzimmer hängen. An eine Diskussion um Computerspiele als künstlerische Ausdrucksform wäre in einem solchen rückgewandten, künstlerischen und auch theoretischem Klima wohl kaum zu denken.

    Noch zwei Überlegungen: Zum Einen wird man John Cages Komposition 4′33″ in 100 Jahren mit Sicherheit nicht mitpfeifen – wie sollte man auch, das Stück besteht aus Stille. Zum Anderen stellt sich mir die Frage, ob zeitgenössische Komponisten, die für massenmediale Produkte arbeiten, nicht vielmehr als klassizistisch und viel weniger als klassisch zu bezeichnen sind. Vielleicht sollte man diese begriffliche Korrektur ernst nehmen; Du jedenfalls bezeichnest die Videospielkomponisten ja selbst als “Klassizisten”. Dementsprechend kann orchestrale Videospielmusik wohl kaum als die “wahre Form moderner Klassik” bezeichnet werden. Im Umkehrschluss impliziert das eben auch, dass die Neue Musik gewissermaßen die “falsche Form moderner Klassik” ist.

    Die (ästhetische) Moderne beginnt etwa im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts mit den Impressionisten. Die ersten im Film üblichen Originalmusiken sind erst nach dem Ersten Weltkrieg in den 20ern üblich. 1927/1928 sehen und hören die Menschen den ersten Tonfilm. Kōji Kondō komponiert das Mario-Thema irgendwann 1985, das Zelda-Thema ein Jahr darauf. Echte orchestrale, musikalische Untermalung ist meines Wissens nach erst mit der Einführung der CD-Rom als Datenträger für Spiele gegen Ende des 20. Jahrhunderts möglich. Und hier findet Klassische Musik endlich ihre, wahre, moderne Ausdrucksform? Und das in einer Zeit, von der man gar nicht mehr sicher ist, ob es sich überhaupt noch um “die Moderne” handelt?

    Stephan

    005 \\\ Stephan Schwingeler_30. Juni 2010_08:18
  • Zunächst einmal ein ganz öffentliches “Danke” dafür, dass ich überhaupt etwas zu dieser Seite beitragen durfte.

    Nun denn…

    Ich habe in meinem Text vor allem den Fehler gemacht, dass ich die Begrifflichkeiten, die ich verwende, nicht klar definiert habe (auch wegen der gebotenen Kürze des Textes).

    Man kann den Terminus “Klassische Musik” ja bekanntlich verschieden auslegen.
    Ist man GANZ streng, bezeichnet er nur die Musik der Frühklassik und der Wiener Klassik, also einen Zeitraum von gerade einmal 100 Jahren.
    Oder man bezeichnet jedwede Kunstmusik als Klassik, beginnend eben im Mittelalter bis ins Hier und Jetzt.

    Gerade diese Definition lehne ich, für mich persönlich, ab. Nicht, weil sie so viele Epochen umspannt, sondern weil “Klassik” und “Kunstmusik” in meinen Augen nicht unbedingt das selbe ist.
    Es mag zu einem gewissen Grad an meiner Naivität und dem sicherlich reichlich vorhandenem Infantilismus liegen, aber für mich kann man “Klassische Musik”, ebenso wie “Kunst”, nur für sich selbst definieren. Deshalb, und weil es naturgemäß schwer fällt, Empfindungen in Worte zu fassen, habe ich die oben genannten Kriterien als zumindest provisorische Einteilungshilfe genannt (Instrumente, Ort der Aufführung, Melodie vor Rhythmus, Zeitlosigkeit).

    Ich will mit keinem Wort sagen, ich hätte die Wahrheit für mich gepachtet (etwas, das ich immer mit dem Begriff “reaktionär” verbinde… der Gebraucht hat immer so etwas von Überheblichkeit), und ich bin garantiert kein Experte, aber ich halte es mit dem alten Spruch: “Man kann nur begreifen, was einen ergreift.”

    Und genau deshalb halte ich Film- und Videospielmusik, zumindest einige erlesene Stücke, als das, was meiner Vorstellung von klassischer Musik in der Moderne (was für mich nun einmal “Jetztzeit” bedeutet… ich bin kein Kunsttheoretiker, ich darf Termini ganz lax benutzen ;) ), in Anbetracht der von mir FÜR MICH aufgestellten Richtlinien, mit Abstand am nächsten kommt. Weshalb ich sie für mich als die “wahren Klassiker der Moderne” ansehe.

    Man möge mich nicht falsch verstehen, es gibt bestimmt großartige Komponisten, die “moderne Klassik” machen und selbst meinem Urteil standhalten würden, genauso wie auch zwischen den Impressionisten und der Jetztzeit natürlich tolle Musik in dieser Richtung entstanden ist, nur scheinen diese Exemplare recht rar gesät zu sein.

    Zusammenfassend also: Ich bin für eine Trennung der Begriffe “Klassische Musik” und “Kunstmusik”. In derKunstmusik darf man schräg tönen und provozieren so viel man will, aber klassisch zu sein, dazu braucht’s das vielzitierte Gewisse Etwas. Kunst muss nicht gefallen, Klassik muss MIR schon gefallen.

    Ah, eh ich’s vergesse: Mozart war, soweit ich das beurteilen kann, keineswegs ein “radikaler Avantgardist”. Er schrieb Musik innerhalb der “Regeln” und Grenzen der Wiener Klassik. Er war nur Genie genug, ebendiese Grenzen des damaligen Stils in jeder Hinsicht zu erreichen und in allen Unterkategorien (Konzert, Oper, etc.) Meisterwerke zu erschaffen. Der passendste Satz zu diesem Thema stammt wohl von Ulrich Erckenbrecht: “Haydn klingt wie Mozart, nur eben ungenial.” ;)

    Mit besten Grüßen
    Johannes

    004 \\\ Johannes Munzinger_1. Juli 2010_13:12
  • Boah Leute, redet mal nicht so geschwollen, als wenn ihr die hohe Kunst des Redens bei Gott höchst persönlich gelernt hättet. Unter anderem deswegen mögen junge Leute diese Szene nicht. Reich und intelligent sein ist ok, aber eingebildet und besserwisserisch schockt irgendwie nicht so…

    Und wen interessiert was nun Klassik heißt??? Nobuo Uematsu (Nobuo ist übrigens der Vorname, nicht andersrum) hat einfach geile Musik gemacht. Wie auch Mozart, Bach und Beethoven. Uematsu hat nämlich auch nur Klassik gelernt in seinem Studium. Der Unterschied, warum das bei jungen Leuten ankommt ist der, dass sie damit in einer lustigen, lockeren Umgebung konfrontiert wurden und nicht in einem spießigen Haufen von hochgestochenen Nasen. Die klassische Musik an sich in Videospielen und in Opernhäusern hat die gleichen Elemente.

    Wenn man Klassische Musik für die Jugend attraktiv machen will, sollte man sie in jugendlichen Aktivitäten einbringen, die Konfrontation in deren Gebieten suchen. Wie man sieht ist nicht die Musik der Grund wenn junge Leute sich nicht für Klassik begeistern können, denn die klassische Musik in Filmen und Videospielen lieben wir. Ich persönlich werde auch zum Videospiel-Konzert “Symphonic Oddysseys” zu Ehren Uematsu’s gehen, weil ich damals als kleiner Junge auch Final Fantasy III gespielt habe und mich die Ereignisse mit der Musik berührt haben.

    greets Chris

    003 \\\ Chris_26. Oktober 2010_08:48
  • Na, klar, ist ja gut. Aber drüber nachdenken kann man ja mal. Wäre übrigens schön, wenn ich reich wär’. ;)

    002 \\\ Stephan Schwingeler_26. Oktober 2010_10:22

Ein Trackback

  1. Von moderne Klassik: Musik in Spielen? am 14. Juli 2010 um 21:56

    [...] [...]

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