Next ...

Als William Higinbotham 1958 am Brookhaven National Laboratory Tennis for Two baute, um den Besuchern des Tags der offenen Tür die Fähigkeiten der Computer zu veranschaulichen und sie selbst Hand anlegen zu lassen, war ihm wahrscheinlich nicht klar, dass er damit eines der ersten Computerspiele entwickelte.

Auch die Hacker am MIT, die in den 60er Jahren Spacewar! programmierten, wollten kein neues Unterhaltungsgenre schaffen, sondern zunächst einmal die Möglichkeiten des nur noch kühlschrankgroßen PDP-1s nutzen. Erst 1971 mit dem Pong-Automaten wurde das kulturelle Potenzial der Computerspiele deutlich, weil einerseits - so will es die Sage - die Automaten nach kurzer Zeit still lagen, weil sie keine 10 Cent Stücke mehr aufnehmen konnten, andererseits die Firma Atari einen rasanten Aufschwung nahm und sich um 10 Cent Stücke keine Gedanken mehr zu machen brauchte.

Seit den 1970er Jahren haben sich die Spiele beständig geändert und ausdifferenziert. Es ist aus einfachen Tennissimulationen und textbasierten Abenteuern eine Vielfalt von Spielmöglichkeiten, Spielmechaniken und Spielumgebungen entstanden. Spielfiguren wurden zu Medienstars, Computerspielpreise wurden ausgelobt.

Level ...

Verbindet spielen? In jedem fünften Haushalt wird inzwischen Level für Level erklommen, online oder per Handy - Spielen ist überall möglich. Der Aufenthalt in den virtuellen Welten ist längst alltäglich und auch durch beharrliche Rufe nach Verbot und Einschränkung der Spieleindustrie nicht aufzuhalten oder gar rückgängig zu machen. Entwickeln sich die digitalen Spiele zu den angesagtesten aller Unterhaltungsmedien des 21. Jahrhunderts?

Die spielerische Gesellschaft wächst und wächst und die internationale Kreativwirtschaft reagiert selbstbewusst auf diese Entwicklung.

Im öffentlichen Diskurs jedoch werden Computerspiele vor allem als Unkultur betrachtet. Wiederkehrende Debatten um den Einfluss der Gewaltspiele auf Amokläufer und unmündige Spielerinnen und Spielern, denen geholfen werden muss, prägen das öffentliche Bild. Unkultur kann es jedoch gar nicht geben. Computerspiele sind, wie andere mediale und nicht-mediale Formen auch, eingebunden in die Kultur, es sind Artefakte mit einer unverwechselbaren ästhetik. Das Zusammenspiel mit anderen künstlerischen Genres gehört längst zur angewandten Praxis.

In seltsam demokratischer Anmutung sind alle Spieler gleich durch ihre Anonymität in den fiktionalen Ersatzwelten. Eingeschworen in Teams werden zwischenmenschliche Fähigkeiten erprobt und gar gefordert. Das virtuelle Spiel am Computer entwickelte sich durch die weltweite Online-Community der Gamer zum sozialen Phänomen. Längst haben die Gamer die Gestaltung der fiktionalen Welten selbst in die Hand genommen.

Der Gamer erhält die Einladung zum gameplay, und damit vorerst grenzenlose fiktionale Selbstverwirklichung.

Conference!

Am 20./21. April 2010 veranstaltet das NRW KULTURsekretariat in Verbindung mit der Landesregierung Nordrhein-Westfalen eine Konferenz, die zugleich Festival ist. Die international aufstrebende Games-Metropole Köln bietet dafür mit den AbenteuerHallenKALK die geeignete Location.

"Next Level" öffnet Gamern und Kulturschaffenden, aber auch Kulturpolitikern und Pädagogen ein weites Spielfeld: In vier korrespondierenden Panels mit Vorträgen und Live Acts diskutieren und praktizieren Künstler, Kreative und Kulturvermittler die verschiedenen kulturellen Spielformen und vielfältigen künstlerischen Ausprägungen der digitalen Spiele.

"Next Level" zielt auf die Kunst im Spiel. Und lenkt den Blick vor allem auf ästhetische Prozesse und auf Fragen, wie Spiele auch für die kulturelle Bildung genutzt werden können - bis hin zu kreativwirtschaftlichen und kommerziellen Aspekten. Begleitend dazu werden in der interaktiven Werkschau Spiele gezeigt und Workshops angeboten, die zum aktiven Umgang einladen und das faszinierende Zusammenspiel von Games und Medienkunst sinnlich erlebbar machen.

Am ersten Abend wird - nach dem multimedialen Tanzprojekt Jailbreak Mind - ausgiebig gefeiert, gemeinsam mit Live Acts und DJs des A MAZE.-Festivals und der Demoszene. Als Special Act präsentiert "Next Level" den Gewinner des Creative Games Contest, der gemeinsam mit Turtle Entertainment die Kreativpotenziale der Community auslotet.

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Direkt im Anschluss an "Next Level", am Abend des Mi., 21.4.2010, startet die partnerschaftlich verbundene Konferenz "Clash of Realities", die bereits zum dritten Mal in Köln stattfindet.